Haarige Hilfe für Kinder

Vorher und nachher: Drei Jahre ließ Martin seine Haare für kranke Kinderwachsen. Fotos: W&W/Förtsch

Vorher und nachher: Drei Jahre ließ Martin seine Haare für kranke Kinder
wachsen. Fotos: W&W/Förtsch

Haarspenden kommen in der Regel von Frauen. Doch auch Martin Barta aus Gaißau hat drei Jahre lang wachsen lassen, um kranken Kindern zu helfen. W&W war beim Schnitt dabei.

Ein Meterstab gehört nicht gerade zur Standardausrüstung einer Frisörin. Bei Chiara Krassnitzer an diesem Tag schon: „Puh, Glück gehabt. Ganz genau 40 Zentimeter“, sagt sie, während sie das Messgerät an den Kopf von Martin Barta hält. „Ein halber Zentimeter weniger und du hättest nicht spenden dürfen.“ Denn Martin ist im Salon Maischön in Dornbirn, um etwas Gutes zu tun. „Ich spende meine Haare, um kranken Kindern zu helfen“, erzählt der Gaißauer. „Kindern, die etwa durch Verbrennungen, Krankheiten oder Krebstherapien eben keine oder nur mehr sehr wenige Haare haben.“

Drei Jahre lang
wachsen lassen

Dafür hat der 28-Jährige einen langen Atem bewiesen: „Drei Jahre habe ich sie jetzt wachsen lassen“, schildert er im Gespräch mit WANN & WO. Und setzt lachend hinzu: „Und ich bin froh, dass sie heute endlich abgeschnitten werden – bei den aktuellen Temperaturen ist es wirklich zäh.“
Dann wird es ernst. „Du bist dir sicher?“, fragt Chiara. Martin nickt, die Schere trennt den ersten der vielen abgeteilten Zöpfe ab und ein Grinsen huscht über sein Gesicht. Am Ende bleiben nur ein paar Millimeter Haar auf dem Kopf übrig. „Immerhin“, meint der Gaißauer. „Meine Kinder haben schon ge-sagt: ‚Papa kommt mit Glatze
heim.‘“ Vor
allem der Kleinste der drei
Jungs werde Augen machen: „Er hat mich noch nie mit kurzen Haaren gesehen.“

Haarspenden hat Frisörin Chiara schon oft abgenommen – aber deutlich häufiger von Frauen. „So oder so: Wir von Maischön finden es eine tolle Aktion. Deshalb machen wir die Haarschnitte auch kostenlos und
schicken die Spenden selbst ein.“

Überraschung daheim

Auch die Haare von Martin gehen jetzt auf die Reise – und er zum ersten Mal seit drei Jahren mit kurzen Haaren nach Hause. „Voll fein“, grinst er, als er hinaus in die Sonne tritt. Auch daheim kommt sein neuer Look gut an: „Meine Frau war sehr nervös und hat sich zuerst gar nicht getraut, die Augen zu öffnen, als ich nach Hause kam. Als sie sie dann öffnete, waren ihre ersten Worte: ‚Oh mein Gott ist das kurz … aber jetzt schaust du wieder aus wie früher‘ und musste lachen“, erzählt Martin. Nur der Dreijährige fand es nicht so lustig: „Meinem Jüngsten war es nicht ganz geheuer und er war sich zuerst gar nicht sicher, ob ich es wirklich bin, da er mich ja eigentlich nur mit langen Haaren kennt.“ Aber nur einen Tag später habe er sich schon dran gewöhnt. „Er hat meinen Kopf gestreichelt und gesagt: ‚Der Papa hat ganz weiche, feine Haare‘“, freut sich Martin. Und die hat bald auch ein Kind, das eine Perücke aus seinen gespendeten Haaren bekommt.

<p class="caption">Chiara misst, ob die Länge reicht.</p>

Chiara misst, ob die Länge reicht.

<p class="caption">Der erste Zopf wird abgeschnitten.</p>

Der erste Zopf wird abgeschnitten.

<p class="caption">Es kam einiges zusammen.</p>

Es kam einiges zusammen.

<p class="caption">Zum Schlusswurde nachfrisiert.</p>

Zum Schluss
wurde nachfrisiert.

<p class="caption">Die Dutt-Zeiten sind vorbei.</p>

Die Dutt-Zeiten sind vorbei.

<p>C. Krassnitzer</p>

C. Krassnitzer

«Mein Jüngster hat mich noch nie mit kurzen Haaren gesehen.» Martin Barta (28), aus Gaißau