„Ich habe es geschafft“

Vor Spritzen habe er immer Angst gehabt, sagt Werner im Gespräch mit WANN & WO. Und dennoch fing er eines Tages an zu fixen. Symbolfoto: APA

Vor Spritzen habe er immer Angst gehabt, sagt Werner im Gespräch mit WANN & WO. Und dennoch fing er eines Tages an zu fixen. Symbolfoto: APA

Am vergangenen Donnerstag wurde jenen Menschen gedacht, die ihr Leben an die Drogen verloren haben – und die von der Gesellschaft gerne verdrängt und ­vergessen werden. WANN & WO sprach mit einem ­langjährigen Süchtigen, der die Drogenhölle überlebt und den ­Ausstieg geschafft hat.

Werner (Name von der Redaktion geändert) sitzt uns im Büro der Bludenzer Drogenberatungsstelle „do it yourself“ gegenüber. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, sagt er gleich zu Beginn des Gesprächs. Der heute Mitte-50-Jährige ist ein Mitglied der Vorarlberger Drogenselbsthilfe. Heroin, Kokain und weitere Substanzen waren über viele Jahre hinweg tägliche Begleiter in Werners Leben. Den ersten Kontakt zu Drogen hatte der gelernte Maurer aus dem Oberland dabei erst mit Ende 20: „Ich habe ein paar Leute aus dem Milieu gekannt und bin so in die Szene hineingerutscht. Anfangs habe ich den Stoff durch die Nase gezogen. Spritzen hat mich nicht interessiert. Davor hatte ich eher Angst.“ Und dennoch holte er sich eines Tages den ersten Schuss. „Ein anderer musste mir die Spritze setzen, ich konnte es nicht selbst“, erzählt er, nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse und fügt hinzu: „Die Erfahrung hat mir so gut gefallen, dass ich es immer wieder gemacht habe.“

„Ich hatte Glück“

Hätte er damals nicht gearbeitet, keine Wohnung und einen geregelten Alltag gehabt, er wäre heute wohl nicht mehr hier, sagt er. „Ich hatte das Glück, auch Menschen um mich zu haben, die mir Halt gaben. Hätte ich mich nur mit Leuten umgeben, die auf der Straße vor sich hinvegetieren, wäre es wohl nicht gut ausgegangen. Ich habe während all der Zeit viele Freunde und Bekannte an das Gift verloren. Ein guter Freund von mir hat sich aus Verzweiflung im Drogenrausch das Leben genommen.“ Er selbst sei zwar immer wieder „komplett zu“ gewesen, in lebensbedrohliche Situationen sei er aber nie ­geraten. „Zumindest nicht, dass ich es wüsste …“

Zwei Jahrzehnte Drogensucht

Über zwei Jahrzehnte steckte Werner im Drogensumpf fest, ehe er ins Substitutionsprogramm kam. „Ich habe erst Substitol bekommen, das hat mich aber fertiggemacht. Durch das ,Glump‘ war ich zu nichts mehr im Stande. Ich bin dann auf Suboxone umgestiegen. Das hat mir sehr geholfen. Ich war wieder klar im Kopf und konnte wieder im Leben Fuß fassen. Ich habe das Zeug dann gebunkert und als ich eine ordentliche Menge beisammen hatte, sagte ich: Und jetzt steig ich aus!“ Ein Schritt, den er nie bereut hat. Nach und nach habe er sich selbst herunterdosiert. „Fast bis auf Null.“

„Ein schwerer, langer Weg“

Seit zehn Jahren ist Werner nun schon nicht mehr im Subtitutionsprogramm. Sein Kopf sei wieder frei, es gehe ihm „wirklich gut“, sagt er. Er hat Arbeit, eine Wohnung, ein Auto und eine Freundin. Das alles gibt ihm Halt und erfüllt ihn. Mehr, als es jede Droge jemals könnte. „Es ist ein schwerer Weg, ein langer Weg. Und ich bin noch nicht fertig, es muss weitergehen.“ Ab und an treffe er noch Personen aus der Szene. Auf Drogen ansprechen müsse ihn aber niemand mehr. „Am Anfang wurde ich noch gefragt: ,Brauchst du braun?‘ Meine Antwort war immer ,nein‘. Heute redet mich niemand mehr an. Ich trinke nun ab und zu ein Gläschen Wein oder ein Bier. Das reicht mir. Mehr will ich auch nicht. Für mich ist alles gut gegangen. Ich kann wieder ein gutes Leben führen. Und hier im ,do it yourself‘ habe ich tolle Unterstützung auf meinem Weg erhalten. Heute kann ich sagen: Ich habe es geschafft – und darüber bin ich sehr froh.“

«Ich habe während all der Zeit viele Freunde und Bekannte an das Gift ­verloren.» Werner über eine finstere Zeit in seinem Leben