Die „bunte“ Schwester von Dornbirns Bürgermeisterin

Lilith Blenk macht es sich auf der Regenbogenbank gemütlich. Fotos: W&W/Vetter

Lilith Blenk macht es sich auf der Regenbogenbank gemütlich. Fotos: W&W/Vetter

Lilith Blenk (49) aus Dornbirn ist die Schwester der Andrea Kaufmann und engagiert sich ehrenamtlich für sexuelle Selbstbestimmung. WANN & WO hat sie ihre bewegte Lebens-geschichte erzählt.

„Ich kann keine Schwuchtel sein, denn ich bin ja gar kein Mann! Wenn irgendwer etwas Beleidingendes sagt, schalte ich auf Durchzug“, antwortet Lilith Blenk (49) mit herzlichem Lachen auf die Frage, wie sie auf transphobes Verhalten reagiert.

Schwester der Dornbirner Bürgermeisterin

Da Humor und dicke Haut nicht ausreichen, um Vorarlberg zu einem toleranten Ort zu machen, beteiligt sich die Schwester von Andrea Kaufmann an zahlreichen Initiativen für sexuelle Selbstbestimmung. Neben ihrem langjährigen Engagement beim Verein GoWest oder dem Cafe
„s Freiräumle“ in Hohenems beteiligt sich die Punkerin beim Verein „CSD-Pride Vorarlberg“, zu deren Obperson sie dieses Jahr gewählt wurde. Dieser organisiert das Pride Wochenende, das am zweiten Septemberwochenende in Bregenz stattfinden wird.

Kind konservativer Elite

Von ihrem Vater, dem mittlerweile verstorbenen Nationalratsabgeordneten Wolfgang Blenk, konnte Lilith viel lernen. „Er hatte einen Missionseifer und wahnsinnig vielen Menschen geholfen. Von ihm habe ich gelernt: Man muss in gewissen Dingen pragmatisch sein, aber immer dranbleiben und verändern wollen“, schwärmt die Dornbirnerin. Die Beziehung zu ihrer Schwester sei freundlich, aber distanziert.

Punk im Kartellverband

Schon während ihrer widersprüchlichen Jugend zwischen Mittelschul-Kartell-Verband, Tuba-Studium und Punk wusste die Dornbirnerin, das etwas mit ihr nicht stimmt: „Damals ging es mir um Auflehnung und Selbstfindung. Ich habe mir wenig gefallen lassen.“

Suche nach Antworten

Auf der Suche nach Antworten zog Lilith nach Wien und begann ein Studium der sozialen Arbeit. Dort engagierte sich die Punkerin beim Strichpunkt, dem österreichweit ersten Projekt für männliche Prostituierte im Jugendalter. Während eines Praktikums in Rotterdam begann sie an ihrer Sexualität zu zweifeln. „Ich fragte mich, ob ich schwul sei und habe es dann mit einem Mann probiert, aber das war nicht das Richtige. Auch die Beziehungen mit Frauen waren komisch, wie eine lesbische Beziehung in einem männlichen Körper“, erinnert sich Blenk zurück.

Vom Mann zur Frau

Den Mut zur eigenen Transidentität fasste Blenk erst relativ spät mit 35 Jahren. Dabei nahm sie sich fast zehn Jahre Zeit, um sich mental vorzubereiten. So besuchte die Dornbirnerin eine Selbsthilfegruppe, bei der sie Lea und Fynn kennenlernte, mit denen sie später das „Räumle“ ge­­gründet hat. Währen Blenk die verpflichtende Psychotherapie vor einer Geschlechtsangleichung kritisch sieht, kann sie dieser Zeit trotzdem etwas abgewinnen. „Heute kommt mir die intensive Beschäftigung mit mir selbst beruflich zugute“, betont Lilith, die gerade eine Ausbildung zur Lebensberaterin absolviert.

Ziel ihres Engagements ist die Gleichstellung der Lebensentwürfe. Dafür gibt es noch viel zu tun.„Manchmal hat man das Gefühl, bevor die Leute einem die Hand geben, fragen sie, was man zwischen den Beinen hat. Das sollte eigentlich kein Thema sein“, so Blenk.

<p class="caption">Schon seit ihrem dreizehnten Lebensjahr ist Lilith Punk.</p>

Schon seit ihrem dreizehnten Lebensjahr ist
Lilith Punk.

«Wenn irgendwer etwas Beleidingendes sagt, schalte ich auf Durchzug.» Lilith Blenk (49), aus Dornbirn