„Lehre sollte Plan A sein“

Gemeinsam mit JVP-Obmann Raphael Wichtl besuchte Claudia Plakolm, Staatssekretärin und ­Bundesvorsitzende der Jungen Volkspartei, die WANN & WO-Redaktion. Foto: WANN & WO/Förtsch

Gemeinsam mit JVP-Obmann Raphael Wichtl besuchte Claudia Plakolm, Staatssekretärin und ­Bundesvorsitzende der Jungen Volkspartei, die WANN & WO-Redaktion. Foto: WANN & WO/Förtsch

WANN & WO fragte bei Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (27) nach, welche Vorteile eine Lehre mit sich bringt, was uns die Schweiz dabei voraus hat und welche Pläne sie für den ­Zivildienst hat.

Viele junge Menschen ziehen Matura und Studium noch immer oft einer Lehre vor. Wie siehst du das? Das ist tatsächlich ein Problem. In den Köpfen ist es noch immer so, dass die Lehre der Plan B ist, wenn es mit der Schule nicht hinhaut. Wir müssen deshalb das Bewusstsein schaffen, dass die Lehre der Plan A ist, wenn es um eine ordentliche Berufsausbildung und Top-Karriere­aussichten geht. In Österreich entscheidet sich knapp jeder zweite junge Mensch für die duale Ausbildung. International werden wir um dieses Erfolgsmodell beneidet, da es uns auch eine hohe Jugendbeschäftigung bringt. Wir haben aufgrund der Lehre die zweithöchste Jugendbeschäftigung in Europa. Im internationalen Vergleich sind unsere Lehrlinge zudem nicht nur jene, die anpacken und mit 15 ab dem ersten Tag Verantwortung im Job übernehmen, sondern auch diejenigen, die bei internationalen Bewerben wie den „EuroSkills“ oder „WorldSkills“ sämtliche Stockerlplätze und Me­­daillen mit nach Hause nehmen.

Du hast zum Thema Lehre auch die Schweiz be­­sucht. Welche Erfahrungen konntest du ­­sammeln? Sie sind uns weit voraus, was Berufsausbildung betrifft. Im Bereich der dualen Ausbildung ist die Schweiz sehr durchlässig: Man kann zu seiner Ausbildung einfach sämtliche andere Ausbildungen draufsetzen. Lehre sollte nicht bedeuten, dass man mit 19 seine Lehrabschluss­­prüfung macht und dann bis zur Pensionierung im selben Betrieb bleibt. Sondern der Weg sollte sein, dass es nach der LAP erst richtig losgeht – mit der Meisterprüfung, dem Wechsel an FH oder Uni oder dem Schritt in die Selbstständigkeit. Lehrlinge sind die Arbeitgeber von morgen.

Es gibt die Idee, den Zivildienst in der Pflegelehre anzurechnen. Wie stellst du dir das konkret vor? Vorarlberg ist mit dem Modellversuch der Pflegelehre ein Vorzeigeland und wir rollen das nun auch bundesweit aus. Wir müssen mehr Burschen in jene Berufe bringen, die typischerweise eher weiblich sind. Der Zivildienst bietet sich hier an. Umgekehrt gibt es ja auch viele Initiativen, um Mädchen in technische Berufe zu bringen. Mein Vorschlag ist es, die neun Monate in der Pflegelehre anzurechnen. Zivis bringen ja eine Zusatzqualifikation mit. Die Pflegelehre wird dadurch auch attraktiver. Das geht natürlich nur im Pflegebereich. Es wäre aber schon auch denkbar, das Ganze auf Blaulichtorganisationen auszuweiten, da die Zivildiener dort auch Sanitäterausbildungen und dergleichen absolvieren.