Ein Herz und eine Seele: Ohne ihre Hündin Lilly geht für Desiree gar nichts – auch beimThema Wohnen.

Ein Herz und eine Seele: Ohne ihre Hündin Lilly geht für Desiree gar nichts – auch beim
Thema Wohnen.

Lilly liegt auf ihrem Kissen und schnarcht leise vor sich hin. Die alte Hundedame kann ruhig schlafen – schließlich weiß sie nichts von den Sorgen, die ihrer Halterin in den vergangenen Wochen so manche schlaflose Nacht bereitet haben. „Mein Vermieter hat mir Ende August mitgeteilt, dass ich ab Oktober aus der Wohnung raus muss“, klagt Desiree Schneider. „Und ich hatte keine Ahnung wohin.“

Nicht einmal ein Rückruf

Denn der Vermieter der 33-Jährigen hat Eigenbedarf angemeldet. „Das ist ja auch sein gutes Recht und passt. Er hat mir sogar angeboten, noch einen Monat länger in der Wohnung zu bleiben, falls ich gar nichts finde“, sagt Desiree. „Ich kann also nichts Schlechtes über ihn sagen.“ Das kann die Dornbirnerin aber stattdessen über die meisten übrigen Wohnungsanbieter im Land: „Ich habe dutzende Miet-anfragen rausgeschickt. Und nur Absagen bekommen – jedenfalls wenn ich überhaupt eine Antwort be-kommen habe.“

Der Knackpunkt jedes Mal: Lilly, die zehnjährige Bulldoggendame. „Lilly ist allein schon durch ihr Alter sehr ruhig und schläft die meiste Zeit. Aber ich verstehe schon die Vermieter: Das kann natürlich jeder sagen. Und schließlich gehen sie in gewisser Weise ein Risiko ein, wenn sie einen Hund in ihrer Wohnung er-
lauben“, räumt Desiree ein. „Aber dass wirklich niemand, nirgendwo einem eine Chance gibt, das ist halt schon krass.“

Sechs Jahre auf Suche

Jacqueline Malang aus Hörbranz hat weniger Zeitdruck bei der Wohnungssuche – dafür aber umso mehr Leidensdruck. „Ich wohne aktuell bei meinen Großeltern, weil das Verhältnis zu meinen Eltern nicht gut ist“, erzählt die 35-Jährige. „Aber auch hier geht es mir nicht gut. Ich habe nur ein winziges Zimmer in einem alten Bauernhaus. Im Winter ist es bitterkalt. Wenn im Obergeschoss das Wasser läuft, drückt es mir im Untergeschoss das Abwasser aus dem Abfluss nach oben. Und alles ist vollgestellt mit alten Sachen, die nicht mehr gebraucht werden, aber von denen sich meine Großeltern nicht trennen wollen.“ Dass es nicht nur um Geschmacksfragen geht, wird klar, als sie mit brüchiger Stimme sagt: „Die Wohnung macht mich krank.“

Seit sechs Jahren sucht die Hörbranzerin deshalb schon nach einer Wohnung für sich und ihren zwölf Jahre alten Sheltie-Rüden Dusty. „Aber bisher habe ich nur Absagen bekommen, immer wegen meines Hundes.“

Nicht ohne den Hund

Ihre Hunde abzugeben, ist aber für beide Frauen keine Option. „Niemals könnte ich Lilly hergeben. Schon gar nicht nur wegen einer Wohnung“, bekräftigt Desiree. Und auch Jacqueline hält fest: „Dusty muss bei mir bleiben.“ Wer nicht selbst einen Hund habe, könne das wahrscheinlich nicht verstehen. „Aber man entscheidet sich ja nicht für einen Hund, um ihn gleich herzugeben, wenn es schwierig wird“, sagt Desiree. „Es ist schließlich ein Lebewesen, kein Haushaltsgegenstand.“

Für Desiree und Lilly gab es inzwischen ein Happy End: Nach langer, intensiver Suche und schon fast aufgegebener Hoffnung hat sie nun eine Wohnung gefunden. „Zum Glück gibt es doch noch warmherzige Menschen, die ein Herz für Tiere haben.“

<p class="caption">Bulldoggendame Lilly. Fotos: privat</p>

Bulldoggendame Lilly. Fotos: privat

<p class="caption">Jacqueline mit ihrem Sheltie-Rüden Dusty.</p>

Jacqueline mit ihrem Sheltie-Rüden Dusty.

<p>D. Schneider</p>

D. Schneider

«Dass einen mit Hund niemand, nirgendwo eine Chance gibt, das ist schon krass.» Hundehalterin Desiree Schneider

«Seit sechs Jahren bekomme ich nur Absagen, immer wegen meines Hundes.» Hundehalterin Jacqueline Malang