„Boykott ist nicht genug“


              Fotos: handout/Längle-Hagen, GEPA

Fotos: handout/Längle-Hagen, GEPA

Beatrice Längle-Hagen aus Schwarzach ist Jugendbotschafterin für UN-Kinderrechte und SDG und wohnte im Jahr 2019 für drei Monate in Katar. W&W sprach mit ihr über ihre persönliche Meinung zur WM, dem Boykott und den Menschenrechten im Wüstenstaat.

Die Fußball-WM 2022 bietet auf ganzer Länge Konfliktpotential. Auf der einen Seite wurde die Transparenz des Wahlvorgangs kritisiert, auf der anderen Seite wurden Vorwürfe schwerer Menschenrechtsverletzungen laut. Zudem ist es klimatisch katastrophal, inmitten einer Wüste acht Fußballstadien aus dem Nichts zu erbauen.

Nach Angaben der katarischen Statistikbehörde sind seit 2010, also dem Jahr der WM-Vergabe an Katar, und 2019, 15.021 ausländische StaatsbürgerInnen in Katar gestorben. Es wird jedoch nicht veröffentlicht, wie viele Opfer im Zusammenhang mit den WM-Projekten stehen. Hinsichtlich der toten GastarbeiterInnen bei den Bauten des WM-Projekts schwirren allerdings viele, sehr unterschiedliche, Zahlen im Raum.

„Jeder Tote ist einer zuviel“

„Jede Person, die gestorben ist, ist eine zu viel“, so Beatrice Längle-Hagen, Jugendbotschafterin für UN-Kinderrechte und SDG. Sie selbst war 2019 als Praktikantin für drei Monate in Katar. Sie wisse zwar nicht, welche Angabe stimmt, was sie jedoch wisse, sei, dass so etwas nicht passieren dürfe. „Es ist notwendig, dass Menschenrechtsverletzungen in Katar verurteilt und Handlungen gefordert werden“, erklärt die 30-Jährige. Sie hofft, dass die aktuelle Situation ein Denkanstoß für die Zukunft ist. Denn wenn man Menschenrechte einfordere, müssen diese global gelten. Also auch für diejenigen, die unseren Wohlstand hier in Österreich mitgewährleisten.

„Es ist nicht nur Katar“

Wenn es um das Boykottieren der diesjährigen WM geht, spalten sich die Meinungen. Längle-Hagen vertritt den Standpunkt, dass jeder und jede das Recht hat, für sich selbst zu entscheiden, ob er oder sie die WM anschaut oder eben nicht. Was denjenigen, die die WM boykottieren aber bewusst sein solle, sei, dass es mit einem zweimonatigen Boykott nicht getan sei. „Wer die WM boykottiert, setzt zwar ein Zeichen, man darf aber nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen.“ Sie erklärt, dass man sich auch bei anderen Produkten, seien es Handys, Computer oder Kleidung, darüber informieren sollte, woher sie kommen, von wem und vor allem unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. „Oftmals können wir auf politischer Ebene nicht viel machen. Hier kann aber jeder selbst einen Beitrag leisten“, so Längle-Hagen
abschließend.

«Wer die WM boykottiert, setzt zwar ein Zeichen, man darf aber nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen.» Beatrice Längle-Hagen über das Boykottieren der WM.