„Der populärste Heilige“

Mario Bitschnau als Nikolaus mit Knecht Rupprecht. Foto: M. Bitschnau

Mario Bitschnau als Nikolaus mit Knecht Rupprecht. Foto: M. Bitschnau

Jedes Jahr ziehen mehrere Nikoläuse in Vorarlberg um die Häuser, um den Kindern eine Freude zu bereiten. Dass es im Vorhinein eine Abendschule mit Tipps und Tricks, sowie Do’s und Dont’s für Nikoläuse gibt, wissen nur die Wenigsten.

Seit vielen Jahren organisieren die Katholische Jugend und die Jungschar Vorarlberg diese Nikolausschulung. Dieses Jahr fand die zweistündige Fortbildung am 9. November statt. Die knapp 40 NikolausdarstellerInnen bekamen durch die Schulung das nötige
Hintergrundwissen, sowie praktische Tipps und Tricks und Ideen rund um den Nikolausabend. Abgehalten wurde die Nikolausschulung von dem Theologen Mag. Hanspeter Sutterlüty, sowie Mario Bitschnau, der selbst ein erfahrener Nikolausdarsteller ist. „Ich bin schon seit 24 Jahren in meiner Heimatgemeinde als Nikolaus unterwegs“, erklärt der 42-jährige Familienvater. Seine Mama war damals beim Frauenbund, der die Nikolausaktion organisierte. Als ein Nikolaus ausfiel, wurde er gefragt, ob er nicht mitmachen wolle. Nach einem Probejahr als Knecht Rupprecht gefiel es ihm so gut, dass er beschloss, selbst Nikolaus zu werden. Bitschnau legt großen Wert darauf, dieses Brauchtum zu pflegen. Vor allem im Advent sei das doppelt so schön, denn das sei eine magische Zeit: „Die Kinder freuen sich auf das Christkind und haben ein Leuchten in den Augen.“ Dazu komme, dass der Nikolaus der „populärste Heilige“ sei. „Er zieht die Kinder in seinen Bann“, so Bitschnau. Er erzählt außerdem, dass beim Nikolaussein immer wieder lustige Sachen passieren würden. Beispielsweise bringe es ihn jedens Mal zum Schmunzeln, wenn sonst eher laute Kinder plötzlich ganz scheu werden.

„Im Nikolaussein steckt viel Herzblut“

Da Mario Bitschnau schon ein sehr erfahrener Nikolaus ist, hat er quasi schon eine Routine, wie er sich auf den Nikolausabend vorbereitet. In der Nikolauszeit nimmt sich der 42-Jährige bewusst frei von der Arbeit. Am Nikolaustag selbst legt er sich sein Gewand bereit und liest sich im Laufe des Tages ein paar Nikolausgeschichten noch einmal durch. Natürlich bereitet er auch seine Texte vor und übersetzt die Legende in den Dialekt, was ihm dabei helfe, so frei wie möglich zu sprechen. Außerdem macht Bitschnau sich eine Liste mit der Reihenfolge der Häuser und der Namen, sodass er alle Kinder gleich mit ihrem Namen ansprechen kann. Besonders freut sich Bitschnau, dass das Corona-Thema nicht mehr so aktuell sei und man wieder mit gutem Gewissen von Haus zu Haus ziehen könne.

Vorbereitung seitens der Eltern

Bitschnau betont auch die Wichtigkeit der Unterstützung seitens der Eltern. Zum einen mache es etwas aus, wenn die Eltern sich mit den Kindern wirklich auf den Nikolausabend vorberieten, also zum Beispiel gemeinsam dekorieren, Adventskerzen anzünden oder alles gemütlich herrichten. Zum anderen sei auch die Einstellung der Eltern
gegenüber dem Nikolaus extrem wichtig. Es solle klar sein, dass der Nikolaus kein Erziehungstool, sondern ein Freund der Kinder sei, der sie belohnt. „Die Erziehungsarbeit müssen die Eltern leisten“, erklärt Bitschnau. „Die Kinder sollen sich auf den Nikolaus freuen und keine Angst davor haben, geschimpft zu werden“. Daher ist es ihm auch
wichtig, dass kein böser
Krampus mit ihm um die Häuser zieht, er wird von einem freundlichen Knecht Rupprecht begleitet.