Verschwörungs-Pfarrer Kaufmann ist wieder da

Noch immer verteiltBernhard Kaufmannseinen Rundbrief.Foto: W&W/Förtsch

Noch immer verteilt
Bernhard Kaufmann
seinen Rundbrief.
Foto: W&W/Förtsch

Er verbreitete Verschwörungstheorien, behauptete, dass für den Corona-Impfstoff Babys aus dem Bauch der Mütter geschnitten und getötet würden, wurde dafür suspendiert – doch nun ist Pater Bernhard Kaufmann wieder da.

Der Vorarlberger Rundbrief ist jetzt der Gossauer Rundbrief, das Titelbild ziert nicht mehr das Vorarlberger, sondern – warum auch immer – das Wappen der Gemeinde Kriens bei Luzern, aber inhaltlich bleibt alles beim Alten in der Rundschrift von Pater Bernhard Kaufmann: eine erzkonservative und rückständige Weltsicht sowie Verschwörungsglauben an allen Ecken und Enden. So schreibt Kaufmann in seinem „Rundbrief aus Gossau“ vom Oktober 2022 von seiner Ablehnung von Frauen in Kirchenämtern und von Abtreibungen, von einer angeblichen „Neuen Weltordnung“ und vermeintlichen Beweisen dafür, dass die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 kein Anschlag, sondern eine von langer Hand geplante Verschwörung seien und davon, dass Menschen mittels Hirnimplantaten, die Parkinson lindern sollen, womöglich ausgehorcht oder gar gesteuert werden.

Umfassendes Verbot

Dabei ist nicht nur der „Rundbrief aus Gossau“ die Bühne des umstrittenen Paters: Regelmäßig hält er heilige Messen in der Immaculata-Kapelle in
Gossau bei
St. Gallen ab.

Genau das ist dem Pater aber untersagt worden: Im Dezember 2021 erklärte General-vikar Hubert Lenz von der Diözese Feldkirch per Dekret, dass Kaufmann „keine Messen halten, keine Trauungen durchführen, keine Taufen vornehmen und keine Beerdigungen abhalten“ darf. Von diesem Schritt wurden auch die umliegenden Diözesen informiert – und damit auch St. Gallen.

Keine offizielle Weihe

„Im Bistum St. Gallen gilt für Bernhard Kaufmann genau dasselbe wie in der Diözese Feldkirch“, erklärt Sprecherin Sabine Rüthemann auf W&W-Anfrage. Wie kann es dann aber sein, dass Kaufmann in der Kapelle weiterhin seine Verschwörungsfantasien verbreitet? „Die Immaculata-Kapelle ist eine Privatkapelle, bekannt als das sogenannte ‚Kleine Kongresshaus‘, wo der Sender K-TV jeweils die Messen übertrug. Diese ‚Kapelle‘ wurde vom Bischöflichen Ordinariat St. Gallen nie anerkannt und somit auch nie geweiht. Der Verein (gemeint ist der Verein St. Joseph, der im Impressum des Rundbriefs angeführt ist, Anm. d. Red.) steht in keiner Verbindung zu unserem Bistum.“ Der St. Galler Bischof habe Kaufmann jegliche Tätigkeit auf Bistumsgebiet untersagt und ihn darüber informiert. „Aber wie erwähnt, es ist Privatgrund, keine Bistumskirche“, so Rüthemann. Denn „selbstverständlich teilen wir diese Verschwörungstheorien nicht.“

Eine W&W-Anfrage zum Sachverhalt ließ Bernhard Kaufmann unbeantwortet.

«Selbst- verständlich teilen wir diese Verschwörungs-theorien nicht.» Sabine Rüthemann, Sprecherin des Bistums St. Gallen