In der Regel ist frei

Frauen bluten in ihrem Leben durchschnittlich sieben Jahre am Stück.Fotos: Unsplash, Privat

Frauen bluten in ihrem Leben
durchschnittlich sieben Jahre am Stück.

Fotos: Unsplash, Privat

Auf dem Weg, das Thema Menstruation zu enttaburisieren gibt, es einen Lösungsvorschlag, der polarisiert.

Um im Privaten sowie im Arbeitsumfeld sensibler mit dem Thema der Monats
blutung umzugehen, werden immer wieder Fortschritte gemacht. So zum Beispiel das Einführen kostenloser Hygieneprodukte auf öffentlichen Toiletten. Weiters steht auch der so-
genannte Menstruationsurlaub zur Diskussion. Dabei ist das Wort an sich schon falsch gewählt. Vollgepumpt mit Ibuprofen und Wärmeflasche im Bett zu liegen, gleicht nämlich nicht dem, was die meisten unter Urlaub
verstehen. In dieser Debatte trifft es das Wort „Menstrual
leave“, also der Anspruch auf zusätzliche freie Tage während der Periode, besser.

Spanien machts vor

Als erstes europäisches Land machte Spanien letztes Jahr den Weg frei für einen monatlichen dreitägigen „Menstrual leave“. Frauen, die unter starken Regelschmerzen leiden,
können demnach zu-
hause bleiben, solange die Schmerzen andauern. Das Gehalt wird wie gewohnt
weitergezahlt, allerdings aus der Kasse der staatlichen
Sozialversicherung. Um diesen Krankenstand in Anspruch nehmen zu können, müssen die Frauen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Start-Up zieht nach

Außer Frage steht, dass das System aus Spanien nicht 1:1 übertragbar auf Österreich ist. Es ist hier nämlich oft möglich, sich ohne Angabe von Gründen, krank zu melden. Das Wiener Start-Up „Mimo“ sieht aber trotzdem Bedarf. Als eines der einzigen Unternehmen in Österreich haben sie den „Menstrual leave“ eingeführt. Ziel ist es, die Menstruation zu normalisieren und das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen zu steigern. Der CEO und Mitbegründer Johannes Berger äußerte sich gegenüber dem „Brutkasten“ folgendermaßen: „Es ist ein Problem, das von vielen Unternehmen nicht wirklich wahrgenommen wird, weil man darüber nicht spricht.“

Viele Fragen offen

Ziel soll ein weiterer Schritt Richtung Gleichberechtigung sein. Trotzdem wird der „Menstrual leave“ stark kritisiert. Viele Fragen bleiben nämlich noch offen. Müssen ArbeitsgeberInnen wissen, wann ihre MitarbeiterInnen menstruieren? Werden Frauen dadurch am Arbeitsmarkt nur noch stärker stigmatisiert und diskriminiert? Auch die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calvino befürchtete damals erschwerte Chancen am Arbeitsmarkt und wünscht sich eine andere Lösung.

<p>Wird ausgenutzt. Ich habe selbst starke Beschwerden wie Unterleibschmerzen oder Kopfweh während der Periode. Sich in der Schule zu konzentrieren ist dabei fast unmöglich. Bevor ich mich mit Schmerzmittel in die Schule quäle, bleibe ich lieber zuhause. Wenn Frauen in dieser Zeit frei hätten, würde das einiges erleichtern. Allerdings glaube ich, dass es von vielen ausgenützt werden könnte. Es bräuchte klare Regelungen, damit das System nicht missbraucht wird.</p><p>Johanna Winder, 16 Jahre</p>

Wird ausgenutzt. Ich habe selbst starke Beschwerden wie Unterleibschmerzen oder Kopfweh während der Periode. Sich in der Schule zu konzentrieren ist dabei fast unmöglich. Bevor ich mich mit Schmerzmittel in die Schule quäle, bleibe ich
lieber zuhause. Wenn Frauen in dieser Zeit frei hätten, würde das einiges erleichtern. Allerdings
glaube ich, dass es von vielen ausgenützt werden könnte. Es bräuchte klare Regelungen, damit das System nicht missbraucht wird.

Johanna Winder, 16 Jahre

<p>Bitte thematisieren. Es ist kein Geheimnis, dass Frauen jeden Monat an schmerzhaften Beschwerden leiden. An Verständnis seitens der Politik fehlt es da meiner Meinung nach manchmal. Ich würde mir wünschen, dass es bei uns stärker thematisiert wird und man sich ein Beispiel an anderen Ländern nimmt. Wenn man Geschlechter gleichstellen möchte, braucht es auch Diskussionen über diese Überlegung. Ich glaube, das wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.</p><p>Joanna Hüttl, 18 Jahre</p>

Bitte thematisieren. Es ist kein Geheimnis, dass Frauen jeden Monat an schmerzhaften Beschwerden leiden. An Verständnis seitens der Politik fehlt es da meiner Meinung nach manchmal. Ich würde mir wünschen, dass es bei uns stärker thematisiert wird und man sich ein
Beispiel an anderen
Ländern nimmt. Wenn man Geschlechter gleichstellen möchte, braucht es auch Diskussionen über diese Überlegung. Ich glaube, das wäre ein wichtiger Schritt in die richtige
Richtung.

Joanna Hüttl, 18 Jahre

Spanien führte als erstes europäisches Land „Menstrual leave“ ein.