Vom Verbrecher-Jäger zum Verbrecher-Helfer

Unverhofft kommt oft: Gilt auch für den Traumjob, wie Fabian lernte. Fotos: W&W/Förtsch

Unverhofft kommt oft: Gilt auch für den Traumjob, wie Fabian lernte. Fotos: W&W/Förtsch

Eigentlich wollte Fabian Böhler (28) aus Hörbranz nie mit Straffälligen arbeiten – und ist nun Ehrenamtlicher beim Resozialisierungsverein „Neustart“. Mit W&W sprach er über Wendepunkte und Offenheit.

WANN & WO: Als Detektiv hast du früher Verbrecher gejagt – jetzt hilfst du ihnen zurück in ein „normales“ Leben. Wie kam es dazu?

Fabian Böhler: Ich habe früher in der Berufsdetektei Marent in Wolfurt gearbeitet. Dort war ich vor allem als Ladendetektiv im Einsatz. Dabei greift man Täter aus wirklich allen Gesellschaftsschichten auf – vom Porsche-Fahrer über den Obdachlosen und den Jugendlichen bis zur Hausfrau. Mittlerweile arbeite ich hauptberuflich in der Obdachlosenhilfe im Kolpinghaus Bregenz und studiere dabei berufsbegleitend Soziale Arbeit an der FH Vorarl-berg. Im ersten Semester stand dann auch gleich schon ein Orientierungspraktikum an. Ich wusste nicht so richtig, in welchen Bereich ich gehen will und habe mit meinem Dozenten darüber gesprochen. Er fragte mich, was ich gar nicht will und ich sagte: Arbeit mit Straffälligen. Und er antwortete mir, dass ich genau deshalb genau das machen soll.

WANN & WO: Also ein Sprung ins kalte Wasser – und zum Verein „Neustart“. Aber der hat dich offenbar nicht abgeschreckt?

Fabian Böhler: Ich muss gestehen, am Anfang war ich gar nicht begeistert von der Idee. (lacht) Aber ich habe mich darauf eingelassen und die Herausforderung angenommen. An meinem ersten Tag war ich auch entsprechend nervös. Ich hatte schließlich Bedenken, dass mir hier Menschen gegenüber sitzen könnten, die ich beim Diebstahl erwischt und so praktisch vor Gericht und zur Strafe gebracht hatte.

WANN & WO: Ist dir das dann
tatsächlich passiert, hat dich jemand erkannt?

Fabian Böhler: Ja, durchaus. Aber es war auch nie schlimm, so wie ich es befürchtet hatte. Und damit hatte ich mich schlussendlich komplett in die Soziale Arbeit und in Neustart „verliebt“.

WANN & WO: Das klingt, als wärst du dir vorher nicht so sicher mit
deiner Studiumswahl gewesen?

Fabian Böhler: Das kann ich am besten mit einer Anekdote beantworten: Früher war es immer mein Traumberuf, Polizist zu werden. Als ich gerade im ersten Semester Soziale Arbeit war, habe ich tatsächlich die Zusage von der Polizei bekommen. Normalerweise hätte ich da keine Sekunde überlegt und sofort zugesagt. In dem Moment war ich aber gerade im Praktikum bei Neustart. Und das hat mir so gut gefallen, dass ich mich entschieden habe, dabei zu bleiben. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage: Ohne Neustart hätte ich mein Studium hingeschmissen.

WANN & WO: Du hast also den
früheren Traum durch einen neuen Traum ersetzt. Was genau hat dich davon überzeugt, was gefällt dir so an der Arbeit?

Fabian Böhler: Die Arbeit mit den Menschen. Und ihnen zu helfen. Ihre positive Entwicklung zu sehen. Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren bei Neustart und durfte in dieser Zeit schon wirklich sichtbare Erfolge meiner Klienten miterleben. Etwa, wenn sie mir erzählen, wie sie in einer brisanten Situation eben nicht zugeschlagen haben: Das ist für die meisten von uns ganz normal, aber für sie ein großer Schritt. Und da freue ich mich natürlich sehr und bin auch stolz auf sie.

WANN & WO: Deine anfängliche Skepsis hat sich also gelegt?

Fabian Böhler: Absolut. Die Menschen, mit denen wir arbeiten, stehen oft am Rande der Gesellschaft und haben es sehr schwer. Wir geben ihnen eine Stimme und die Chance, wieder in die Gesellschaft einzutreten. Man muss nur offen sein.